Energiewirtschaft / Energiewende

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Energiewende

Konzept

Grundsätze für eine global wirksame Energiewende

Günstige Energie war in der Menschheitsgeschichte die wichtigste Grundlage für die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung und den Wohlstand eines Landes. Bezahlbarkeit und Sozialverträglichkeit sind unerlässliche Randbedingungen für eine global erfolgreiche Energiewende!
Fossile Energieträger werden weltweit an den Börsen gehandelt und unterliegen den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Wird der Energieverbrauch in einem Land eingespart, so reduziert sich der Preis am Weltmarkt und es findet sich ein Abnehmer an einem anderen Ort, der die Energie in der Folge zu einem günstigeren Preis einkauft.

Ein essentielles Problem der erneuerbaren Energien Solar und Wind besteht in ihrer eingeschränkten Grundlastfähigkeit, weshalb Dunkelflauten durch andere Energieträger kompensiert werden müssen. In einigen wenigen Regionen (z.B. Norwegen, Island) existieren grundlastfähige Energieträger wie Wasserkraft oder Geothermie. In den meisten Regionen der Welt ist dies jedoch leider nicht möglich. In diesen Regionen sind Energiespeicherlösungen erforderlich, um Energie vom Tag in die Nacht, vom Wind zur nächsten Flaute oder vom Sommer in den Winter zu speichern.

Eine andere Methode zur grünen Stromerzeugung erfolgt über Biogasanlagen. Hierbei wird Biomasse, die aus landwirtschaftlichem Anbau stammt (z.B. Mais), zu Biogas vergoren. Das Biogas wird dann verwendet, um in Kraft-Wärmekopplungsanlagen sowohl grünen Strom als auch Fernwärme zu erzeugen. Der hierdurch erzeugte Strom ist grundlastfähig. Der Nachteil dieser Methode besteht jedoch darin, dass sie zwar CO₂-neutral, aber nicht CO₂-frei ist, weil das in der KWK verfeuerte Biogas wieder CO₂ produziert, welches in die Atmosphäre emittiert wird. Um diesen Umstand zu umgehen, wird derzeit aktiv über BECCS bzw. Bioenergy Energy Carbon Capture and Storage gesprochen. Hierbei kommt eine CO₂-Abscheidung (CCS) ähnlich wie bei Kohlekraftwerken zum Einsatz. Im Vergleich zu Photovoltaik benötigt die Stromerzeugung mit Biogas jedoch ungleich mehr Fläche (Faktor 30–50). 

Kraftwerke zur Stromerzeugung sind unterschiedlich schädlich für das Klima. Zieht man unverflüssigtes Erdgas mit 100% als Vergleichsmaßstab für den CO₂-Ausstoß heran, so liegt
– die Braunkohle bei ca. 200% und
– das Öl bei ca. 150%
– das LNG-Frackinggas bei ca. 120%

Der Einsatz von verflüssigtem Frackinggas (LNG) aus den USA oder Australien ist insofern problematisch, weil viel Energie aufgewendet werden muss für die Förderung, die Verflüssigung, den Transport auf Tankschiffen, die Rückumwandlung in den gasförmigen Zustand usw. Darüber hinaus entsteht Methanschlupf bei der Förderung, der Verflüssigung und der Verschiffung.

Basierend auf diesen faktischen Zusammenhängen, lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

      1. Wir müssen nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass Energie (z.B. Öl), die an einem Ort (z.B. in Deutschland) eingespart wird, weiterhin auf dem Markt verfügbar sein wird und von einem anderen Land bzw. einem Konsumenten im Ausland gekauft und auch verbraucht wird.

      2. Symbolische Maßnahmen einzelner Länder zur Reduzierung ihres Verbrauchs fossiler Energieträger werden daher keinen wirksamen Effekt entfalten.

      3. Die einzige wirkungsvolle Maßnahme zur Reduzierung des Energieverbrauchs ist folglich eine Reduzierung des Angebots an der Quelle. Es ist jedoch unrealistisch zu erwarten, dass alle Länder mit Energievorräten freiwillig ihre Exploration reduzieren oder gar komplett einstellen werden, weil Exploration & Verkauf oder Exploration & Eigennutzung die Quelle ihres Geschäfts­modells und Wohlstands sind.

      4. Eine wirksame globale Reduzierung der Verbrennung fossilen Energieträger kann folglich nur dann nachhaltig gelingen, wenn sie auf Gegenseitigkeit / Reziprozität beruht. Alle, oder zu­mindest die maßgeblichen Industrienationen, müssen gleicher­maßen und zeitgleich eine Reduzierung fossiler Energieträger einleiten.

      5. Alternative bzw. erneuerbare Energien können sich nur dann nachhaltig durchsetzen, wenn die Preise mindestens gleichwertig sind. Eine dauerhafte Subventionierung erneuerbarer Energien kann keine langfristige Lösung sein!

      6. In den meisten Ländern kann eine Energieversorgung, die vollständig auf Wind- und Solarenergie basiert, nur mit sehr aufwendigen und kostenintensiven Speicherlösungen realisiert werden. Diese Speicherlösungen sind Stand heute zu teuer und würden einem Industrieland die Wettbewerbsfähigkeit und den wirtschaftlichen Wohlstand kosten.

      7. Aufgrund der natürlichen Senken (Landpflanzen und Ozeane) ist es nicht zwingend erforderlich, die Stromerzeugung komplett zu defossilisieren. Ein bestimmter Restbereich der Stromerzeugung könnte durchaus noch aus fossilen Energieträgern bedient werden, ohne dass die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre weiter ansteigt.

      8. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern ist entsprechen ihres CO₂-Ausstoßes gemäß folgender Priorität umzusetzen: Braunkohle, Steinkohle, LNG aus Fracking, Öl, lokal gefördertes und verbrauchtes Erdgas.

      9. Die lokale Erdgasförderung ist, verbunden mit dem lokalen Verbrauch, der CO₂-ärmste fossile Energieträger. Deshalb sollte diese Energieform vor allen anderen fossilen Energieträgern bevorzugt werden. Länder, die über eigene Erdgasvorkommen verfügen, sollten diese auch ausbeuten und hierdurch importiertes LNG-Frackinggas, Kohle und Öl substituieren.

      10. Biogasanlagen / BECCS zur Stromerzeugung mit KWK sind zwar CO₂-neutral, aber nicht CO₂-frei. Außerdem liegt der Flächen­bedarf dieser Methode beim 30–50-fachen der Photovoltaik. Von daher sollte eine Wiederaufforstung und natürliche CO₂-Speicherung mittels schnellwachsender Bäume Vorrang gegenüber Biogas haben. Eine Stromerzeugung mittels Agro-Photovoltaik ist vorteilhafter als Monokulturen für Biogas­anlagen.

      11. Die Ablösung sämtlicher Stromkraftwerke, die mit fossilen Energieträgern betrieben werden, wird weder kurz- noch mittelfristig möglich sein. Deshalb muss das Mittel der Wahl zur Reduzierung des CO₂-Ausstoßes die Brückentechnologie CO₂-Abscheidung und Lagerung (CCS) sein. Eine unterirdische Lagerung von CO₂ birgt keinerlei Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung und sollte deshalb unbürokratisch und schnell umgesetzt werden.

      12. Neue Atomkraftwerke der dritten Generation sind sicher und schnell zu errichten. Atomkraftwerke der 4. Generation sind derzeit in Entwicklung, sind eigensicher und erzeugen weniger Atommüll. Die Atomenergie wird in Frankreich, Skandinavien, den USA, China und Indien intensiv weiterentwickelt, weil sie grundlastfähig ist und als CO₂-frei gilt. Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile muss die Atomenergie deshalb zum CO₂-neutralen Energiemix der Zukunft gehören. Die globalen Forschungs­aktivitäten für diese Technologien müssen intensiviert werden!